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Im Labyrinth der offenen Fragen
Karen Sander beweist mit „Verblendet" erneut ihre Meisterschaft, ein komplexes Geflecht aus Handlungssträngen zu einem hochspannenden Thriller zu verweben. Die Ermittlungen im Fall der ermordeten Familie auf dem Boot und der getöteten Ärztin stagnieren, als ein neuer Fall das Team um Tom Engelhardt und Mascha in Atem hält: Eine junge Frau wird tot aufgefunden, und obwohl zunächst alles auf Selbstmord hindeutet, sind die Fakten widersprüchlich. Auch sie hat vor ihrem Tod einen jener kryptischen Briefe erhalten, die zur unheilvollen Signatur des Falls geworden sind.
Die Komplexität der Ermittlungen erfordert die Gründung einer großen SOKO, deren Leitung Tom Engelhardt übernimmt, sehr zum Ärger von Maschas Halbbruder Holger, was für zusätzliche subkutane Spannung im Team sorgt. Die Liste der Verdächtigen ist lang, doch greifbare Ergebnisse lassen auf sich warten. Sander nutzt diese Konstellation geschickt, um nicht nur die polizeiliche Ermittlungsarbeit, sondern auch die menschlichen Dynamiken innerhalb des Teams auszuleuchten.
Ein großer Pluspunkt der Reihe sind die sympathischen und vielschichtig gezeichneten Protagonisten. Während Tom Engelhardt die Fäden der Ermittlungen zusammenhält, setzt Mascha ihre persönliche, von Schmerz und Hoffnung getriebene Suche nach ihrer Mutter fort. Dieser private Handlungsstrang verleiht der Figur eine besondere Tiefe und mündet in einen Cliffhanger, der die Leser ungeduldig auf den nächsten Band warten lässt.
Sander versteht es meisterhaft, den Leser mit einem wohlkalkulierten Gefühl der Ungewissheit zurückzulassen. Viele Fragen bleiben am Ende bewusst offen: Wer hat den Obdachlosen Hagen Oltmanns getötet? Welche Verbindung gibt es zu der ermordeten Frau in Berlin? Diese offenen Enden sind keine Schwäche, sondern die große Stärke einer Thriller-Reihe, die von ihrer fortlaufenden Spannung und den tiefgründigen Rätseln lebt. „Verblendet" ist ein weiterer Beweis für die erzählerische Raffinesse von Karen Sander und macht Lust auf die baldige Auflösung der vielen Geheimnisse.
Meine Bewertung:
Veröffentlicht am 12. März 2026