Das unberührte Band

Warum erst die Erschütterung die Konturen der Freundschaft zeichnet

Es gibt Abende, an denen das Leben leicht erscheint, fast flüchtig, wie der Schaum auf dem Wein, den man in einer lauten, warmen Stube mit Menschen teilt, deren Gesichter im fahlen Licht der Lampen vertraut wirken. Man lacht über dieselben Einfälle, ereifert sich über die kleinen Absurditäten des Alltags und geht schließlich auseinander mit dem wohligen Gefühl, nicht allein zu sein. Es ist eine wohlfeile Wärme. Jahrelang hielt ich diese Momente für das Fundament dessen, was wir Freundschaft nennen. Wir waren Gefährten des Vergnügens, Konsumenten einer gemeinsamen Zeit, die sich wie eine schützende Decke gegen die Kälte der Welt anfühlte. Doch es war eine Decke aus dünnem, brüchigem Stoff. Erst als der Wind drehte, als das eigene Leben Risse bekam und die Kulissen der alltäglichen Heiterkeit in sich zusammenbrachen, zeigte sich die wahre Natur dieser Konstruktion. Die meisten jener Gefährten blieben dort, wo das Licht hell und die Musik laut war. Sie taten das nicht aus Bosheit; sie waren lediglich für ein anderes, leichteres Theaterstück gebucht gewesen. Weiterlesen

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Die sanfte Diktatur der Haltung

Über die Notwendigkeit einer staatlich verordneten Medienethik

Der aufmerksame Beobachter des politischen Zeitgeists erlaubt sich was: Die Bildung einer eigenen Meinung abseits des geframten Mainstreams – und das geht gar nicht, denn damit wird die politische Ordnung, bekannt auch unter dem Terminus „Unsere Demokratie‟ bedroht.

Doch zum Glück naht die Rettung: Weiterlesen

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Die große Umbenennung

Es gibt Momente, in denen eine Gesellschaft mehr über sich verrät als in tausend Leitartikeln, Regierungserklärungen und Sonntagsreden zusammen. Oft geschieht das nicht durch große politische Entscheidungen, sondern durch kleine sprachliche Verschiebungen, die zunächst harmlos wirken. Ein neues Wort taucht auf, eine vertraute Bezeichnung verschwindet, eine Kategorie wird ersetzt. Wer aufmerksam zuhört, bemerkt dann, dass sich nicht nur die Sprache verändert hat, sondern auch der Blick auf die Wirklichkeit. Weiterlesen

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Gott ist allmächtig, aber er hat Grenzen

Über Theodizee, göttliche Freiheit und das Paradox der vollkommenen Macht

I. Die Frage, die nicht verstummt

Es gibt Augenblicke, in denen die Philosophie aufhört, ein akademisches Spiel zu sein, und zur existenziellen Not wird. Solche Augenblicke ereignen sich vor den Toren von Auschwitz, an den Betten sterbender Kinder, in den Trümmern von Erdbeben und Kriegen. In diesen Momenten stellt sich die uralte Frage mit einer Unmittelbarkeit, die keine gelehrte Distanz mehr erlaubt: Wenn Gott allmächtig und allgütig ist, warum existiert dann das Böse? Warum lässt er das Leiden zu? Weiterlesen

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Das Trauma-Prinzip

Warum Ermittler im modernen Kriminalroman nur noch an sich selbst ermitteln

Es gibt Entwicklungen in der Literatur, die zunächst wie eine Befreiung wirken, und sich erst mit zeitlichem Abstand als neue Form der Erstarrung erweisen. Der moderne Kriminalroman kennt viele solcher Bewegungen. Lange Zeit dominierte eine Ermittlerfigur, die beinahe mathematische Präzision verkörperte: analytisch, kontrolliert, unangreifbar. Der klassische Kommissar erschien am Tatort wie ein Ordnungsprinzip in Menschengestalt. Seine Aufgabe war klar definiert: Chaos erkennen, Zusammenhänge herstellen, die Welt wieder zusammensetzen. Weiterlesen

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Wenn Wahlergebnisse zum Staatsstreich erklärt werden

Es gibt politische Systeme, die an ihren Feinden zugrunde gehen. Und es gibt solche, die an ihrer eigenen moralischen Selbstvergötterung verenden. Die gegenwärtige deutsche Parteienlandschaft scheint entschlossen, den zweiten Weg bis zur bitteren Konsequenz auszukosten: nicht trotz ihrer Demokratie-Rhetorik, sondern gerade wegen ihr. Weiterlesen

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Sonntags nie

Es gibt Menschen, die freuen sich auf den Sonntag. Sie sprechen dann von „rausfahren“, „die Natur genießen“ oder, besonders bedrohlich, von „einem schönen Familienausflug“. Ich hingegen betrachte den Sonntag mit der vorsichtigen Skepsis eines Mannes, der weiß, dass irgendwo bereits jemand Funktionskleidung anzieht.

Nein, sonntags bleibe ich lieber daheim. Dort bin ich sicher. Dort gibt es keine Ausflugslokale voller Eltern, die ihre Kinder mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und biologischem Fatalismus großziehen. Kinder nämlich, die bereits morgens um halb zehn eine Lautstärke entwickeln, bei der NATO-Staaten normalerweise den Verteidigungsfall prüfen würden. Weiterlesen

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Der Verdacht, kein Täter zu sein

„Es reicht nicht, kein Täter zu sein.‟

Der Satz marschiert heute durch deutsche Debattenräume wie ein schlecht gelaunter Blockwart im moralischen Stechschritt. Früher genügte es noch, keine Menschen zu erschlagen, keine Häuser anzuzünden und keine Nachbarn in Viehwaggons zu verladen. Heute dagegen beginnt die eigentliche Schuld offenbar dort, wo man einfach nur in Ruhe Kaffee trinken wollte. Weiterlesen

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Wächter und Wanderer

Mitch Rapp und Jack Reacher – Kulthelden des modernen Actiongenres II

Die moderne Literaturlandschaft des Action- und Thrillergenres wird maßgeblich von Protagonisten geprägt, die als archaische Beschützerfiguren in einer zunehmend komplexen und moralisch ambivalenten Welt agieren. Unter diesen modernen Heroen ragen zwei Gestalten durch ihre beispiellose Resonanz beim Lesepublikum und ihre scharfe Profilierung besonders hervor: Mitch Rapp, der kompromisslose Anti-Terror-Agent aus der Feder des verstorbenen Vince Flynn, und Jack Reacher, der nomadische Ex-Militärpolizist, erschaffen von dem britischen Autor Lee Child. Obgleich beide Figuren dem Archetypus des einsamen Rächers entsprechen und in ihrer physischen wie taktischen Überlegenheit kaum zu übertreffen sind, offenbart eine tiefere literarische Analyse fundamentale Divergenzen in ihrer Genese, ihrem moralischen Ethos und ihrem Verhältnis zur institutionellen Ordnung. Weiterlesen

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Schatten der Gerechtigkeit

Evan Smoak und Court Gentry – Kulthelden des modernen Actiongenres I

Das moderne Actiongenre wird zunehmend von Figuren dominiert, die sich in den moralischen Grauzonen unserer Welt bewegen, Männer, die töten, um zu schützen, und die im Schatten operieren, weil das Licht des Gesetzes zu schwach brennt. Zwei der prägnantesten und faszinierendsten Vertreter dieser neuen Heldengeneration sind Evan Smoak, auch bekannt als der „Nowhere Man“, erschaffen von Gregg Hurwitz, und Court Gentry, der legendäre „Gray Man“ aus der Feder von Mark Greaney. Beide Charaktere haben sich zu wahren Kulthelden entwickelt, deren Buchreihen internationale Bestsellerlisten erklimmen und Hollywood in Bewegung setzen. Sie teilen die Gemeinsamkeit einer Vergangenheit als hochgradig ausgebildete, staatliche Auftragsmörder, die sich von ihren Schöpfern losgesagt haben. Dennoch unterscheiden sie sich signifikant in ihrer Motivation, ihrer psychologischen Tiefe und der Art und Weise, wie sie ihre jeweilige Welt navigieren. Dieser Essay beleuchtet die Ursprünge, die moralischen Fundamente und die literarische Bedeutung dieser beiden Ikonen des zeitgenössischen Thriller-Genres. Weiterlesen

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