Warum erst die Erschütterung die Konturen der Freundschaft zeichnet
Es gibt Abende, an denen das Leben leicht erscheint, fast flüchtig, wie der Schaum auf dem Wein, den man in einer lauten, warmen Stube mit Menschen teilt, deren Gesichter im fahlen Licht der Lampen vertraut wirken. Man lacht über dieselben Einfälle, ereifert sich über die kleinen Absurditäten des Alltags und geht schließlich auseinander mit dem wohligen Gefühl, nicht allein zu sein. Es ist eine wohlfeile Wärme. Jahrelang hielt ich diese Momente für das Fundament dessen, was wir Freundschaft nennen. Wir waren Gefährten des Vergnügens, Konsumenten einer gemeinsamen Zeit, die sich wie eine schützende Decke gegen die Kälte der Welt anfühlte. Doch es war eine Decke aus dünnem, brüchigem Stoff. Erst als der Wind drehte, als das eigene Leben Risse bekam und die Kulissen der alltäglichen Heiterkeit in sich zusammenbrachen, zeigte sich die wahre Natur dieser Konstruktion. Die meisten jener Gefährten blieben dort, wo das Licht hell und die Musik laut war. Sie taten das nicht aus Bosheit; sie waren lediglich für ein anderes, leichteres Theaterstück gebucht gewesen. Weiterlesen